Sonntag, 31. mai 2009


Frau "kranke Schwester"
Der Porsche und die Telefonzelle

Meine neue Freundin G. aus Hamburg -welche aus beruflichen Gründen auf der Insel war- und  ich , hatten uns  über unseren gemeinsamen Kurator kennengelernt, als sie plötzlich über ihren Freund Hardy ins schwärmen kam. Sie sagte, dass sie am Abend noch ein Date mit ihm hätte. Und vermutlich war sie schon feucht im Schritt, als sie erzählte, was sie alles mit dem Typen machen würde. Gleichzeitig erwähnte sie aber, dass der gute Hardy leider so fett geworden sei. Und sie bedauerte das sehr. Und sofort begannen wieder neue Lobpreisungen auf den schönen Körper, welchen Hardy einst besessen haben sollte.
Zu einer Zeit, , als sie selbst eben auch noch jünger und schöner war.
Sexgeschichten von anderen Leuten interessieren mich grundsätzlich nicht. Und "Ficker", also Leute, welche keine feste Beziehung auf die Reihe kriegen, aber ständig auf der Suche nach Sex sind, ekeln mich an.
Deren Würdelosigkeit und Verbalerotik, finde ich schauderlich. Und ich bin froh, dass ich kein Ficker bin. Darum erstickte das Gespräch zwischen meiner neuen Bekanntschaft und mir irgendwann. Und sie ging. In Vorfreude auf einen Orgasmus.
Mein Hund und ich lagen schon Stunden im Bett, als ich einen Anruf bekam. Die Nummer auf dem Display kannte ich nicht. Erinnerte mich allerdings, dass ich diese amVormittag einem freundlichem Herren gegeben hatte. Weil mir langweilig war und aus Höflichkeit nahm ich den anruf an. Eine freundliche, angenehme Stimme plapperte munter drauf los: "Hallo... ich bin Hardy. Du kennst doch G.  und meinen Kumpel C. aus Hamburg. Dem hast du doch Deine Telefonnummer gegeben. Er sitzt neben mir. Ist aber besoffen. Die beiden, G. und C., hast du doch heute kennengelernt. Die G. ist schon in ihrem Bett. Hast Du nicht Lust hier vorbei zu kommen? Wir sitzen direkt neben an bei dir. In der Kneipe." Selbstverständlich hatte ich keine Lust da vorbei zu gehen. Darum klingelte das Telefon mehrmals und immer wieder. Und dann hatte ich doch noch Lust auf Kneipe. In der Kneipe erwartete mich folgende Szene: Die Besitzer sassen mit 2 Leuten vom Personal rechts in einer Ecke. Das Licht im Flur und auf den Toiletten war schon abgestellt. Hardy sass glücklich auf einem Barhocker vor einem Drink. Neben ihm hatte sich sein Kumpel C. erhoben und schrie Renate, die Barfrau, an: "Was ist das hier für ein Laden? Was ist hier los? Das ist doch hier ein Schwulenladen. Und du? du bist doch ein Umgebauter. Du bist doch ein Kerl! Wenn mich hier einer anpackt, dann gibt´s richtig auf die Fresse! Ich war Personenschützer beim Bund. Ich mach die hier alle kaputt!"
Es war fürchterlich. Aber unter Trinkern nix besonderes. Hardy lachte und orderte Drinks für C., für mich und sich selbst. Und so setzte ich mich zur Trümmertruppe an die Bar. Schon sehr rasch, hatte C.´s Körper dann den Kampf gegen den Alkohol aufgegeben und er stand kurz vor einer Vergiftung. Irgendwie schleppte er sich  sich vor die Tür. Und verschwand in der Nacht. Und ich schickte Hardy los, seinen Freund zu betreuen. C. ist  Diabetiker und Alkoholiker. Keine so glückliche Kombination.
Später, als ich gerade wieder im Bett lag, klingelte das Telefon erneut. Es war Hardy. Er wolle noch mit mir in die einzige Disco am Ort. Weil ich noch nie dort gewesen, weil ich seit Flyp´s Tod keine Disco mehr betreten hatte, bin ich dann mit ihm  gegangen. Und ich hatte beschlossen, ihm einen besonders schönen letzten Abend zu machen. Er würde morgen wieder abreisen. Schließlich war er  der Ficker meiner neuen Freundin G. Und ausserdem, nicht mein Typ. Mit Hardy wurde es ganz lustig. Er kannte die Leute in der Disco und die Leute respektierten ihn. Er sorgte für Drinks und ich war ganz schön angesoffen. Faselte in Französisch, tanzte hingebungsvoll mit irgendwelchen Herren und manchmal allein.  Mit  meinem Tanz  heizte ich die Stimmung auf. Eben das volle Programm und der ganz andere Scheiss, den man so im Kopf hat, wenn man besoffen ist und sich für die Größte hält... Schliesslich knutschte ich noch handfest mit Hardy und dann endlich! War auch in der Disco die Party vorbei. Hardy weigerte sich meine Wohnung wieder zu verlassen. Und ich verweigerte ihm Zärtlichkeiten. Und so sassen wir noch Stunden in meiner Küche und sprachen über die Geschlechtsteile von anderen Leuten. Aber ich war froh, dass er mir seines nicht zeigte. Und bevor der Kaufmann seinen Laden aufmachte, schlich Hardy sich in sein eigenes Bett. Und ich hatte für wenige Stunden Ruhe, bis die Belagerung durch Hardy sich fortsetzte. Denn Hardy hatte es auf einmal gar nicht mehr eilig mit der Rückreise. 
Er und ich wurden kein Paar. Wir wurden mehr als das. Wir wurden Freunde.

von Flandrine - veröffentlicht in: liebe - Community: Alles was ich liebe
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